Samstag, 27. November 2010

Vorwort

Karl_Rahner_Albert_Camus_Christa_Duris
Liebe Leserinnen und liebe Leser,


Gespräche: Karl Rahner und Albert Camus

Meinem Blog, in dem ich mich Karl Rahner und Albert Camus widme, stelle ich ein Zitat des Schriftstellers Franz Werfel voran.
Nach dem „Anschluss" Österreichs im Jahr 1938 hielt sich Franz Werfel in der Nähe von Lourdes auf, und er legte das Gelübde ab, einen Roman über die heilige Bernadette zu schreiben, falls es ihm gelänge, in die USA zu flüchten. Die Flucht gelang ihm. Und in dem Vorwort zu seinem Buch Das Lied von Bernadette, das 1941 erschienen ist, schreibt er: „Ich habe es gewagt, das Lied von Bernadette zu singen, obwohl ich kein Katholik bin, sondern Jude. Den Mut zu diesem Unternehmen gab mir ein weit älteres und viel unbewussteres Gelübde. Schon in den Tagen, da ich meine ersten Verse schrieb, hatte ich mir zugeschworen, immer und überall durch meine Schriften zu verherrlichen das göttliche Geheimnis und die menschliche Heiligkeit - des Zeitalters ungeachtet, das sich mit Spott, Ingrimm und Gleichgültigkeit abkehrt von diesen letzten Werten unseres Lebens."

Es kann mit gutem Recht gefragt werden, warum ich den Konzilstheologen Karl Rahner und den Literaturnobelpreisträger Albert Camus ausgewählt habe. Natürlich lese ich die beiden sehr gerne. Doch unterscheiden sie sich in vielem, was auch ihr Leben bezeugt. Warum bringe ich sie dennoch in von mir gewählten Gesprächen zusammen? In ihrem Leben sind sie sich nicht begegnet, und so konnte es zu keinem Gespräch zwischen ihnen kommen, obwohl ein solches möglich gewesen wäre, da Karl Rahner am 5. März 1904 und Albert Camus am 7. November 1913 geboren wurde.
Die beiden sahen sich also mit den geschichtlichen und sozialen Ereignissen des zwanzigsten Jahrhunderts konfrontiert.
Aber diese Begebenheit ist nicht entscheidend für meine Wahl gewesen. Den Ausschlag für diese gaben die Fragen, die von Albert Camus und Karl Rahner gestellt wurden und die über den zeitgeschichtlichen Rahmen hinausgehen. Es sind Fragen, um die kein Mensch herumkommen kann, weil sie unabhängig von jedem Zeitalter ihre wesentliche Tiefe und Gültigkeit besitzen. Der Philosoph und der Theologe fragten nach dem Leid, dem Tod, dem Absurden, dem Glauben, der Schuld, der Freiheit, der Verantwortung, das heißt sie stellten die Frage nach dem Dasein des Menschen. Sie fragten nach den letzten Werten unseres Lebens. Und sie gaben Antworten. Die von Karl Rahner und Albert Camus gestellten Fragen und von ihnen darauf gegebenen Antworten werden durch Zitate wiedergegeben, und diese Zitate machen das Wesentliche meines Blogs aus.
Karl Rahner verstand sich als ein Mann seiner Kirche und seines Ordens und gleichzeitig immer als Seelsorger. Er trat mit achtzehn Jahren in den Jesuitenorden ein. Und er hat an den Beschlüssen des Zweiten Vatikanischen Konzils entscheidend mitgewirkt.
Albert Camus war kurze Zeit in der kommunistischen Partei, schloss sich im Zweiten Weltkrieg der Résistance an und versuchte, im Algerienkonflikt zu vermitteln. Er arbeitete auch als Redakteur und darauf als Chefredakteur der Zeitschrift Combat.
Jedoch werde ich auf das gezeigte gesellschaftliche und politische Engagement von Albert Camus und Karl Rahner in meinem Blog nicht eingehen. Es sei allerdings darauf hingewiesen, dass aus ihren zahlreichen Stellungnahmen hervorgeht, dass es ihnen nie um ihre eigene Person oder darum ging, das letzte Wort zu behalten. Es ging ihnen um die jeweilige Sache, die ihnen am Herzen lag und für die sie sich einsetzten. So schreibt Albert Camus zur Zeit des Algerienkriegs in einem Brief an den kabylischen Dichter und Journalisten Jean Amrouche: Es gibt keine persönlichen Fragen, die uns trennen könnten. Was sind sie schon angesichts der Dinge, die sich vorbereiten? Du hast das Recht, die Standpunkte der F.L.N. zu wählen. Ich für mein Teil finde, dass sie für die Gegenwart mörderisch und für die Zukunft blind und gefährlich sind. Ich habe darauf verzichtet, öffentlich eine Stimme der Vernunft laut werden zu lassen. Aber unter uns muss ich Dir meine Reaktion sagen, und Du darfst eines nicht übersehen: Wenn man auf die Franzosen Algeriens im allgemeinen und als solche genommen schießt oder rechtfertigt,dass man schießt, dann schießt man auf die Meinen, die allezeit arm waren und ohne Hass und die nicht in eine ungerechte Revolte verwickelt werden dürfen. Ich bin sicher, dass Du in dieser aufrichtigen Sprache ein Echo der brüderlichen Beziehungen der Vergangenheit wiederfinden wirst. Mögen sie Dich dazu bewegen, im Sinn der Beschwichtigung und der Einigung zu wirken und nicht im Sinn der brudermörderischen Trennung, diesen Wunsch hegt von ganzem Herzen Dein Bruder von gleicher Geburt unter dem gleichen Himmel."
Und Karl Rahner wurde aus Anlass seines siebzigsten Geburtstages in einem Interview mit der Herder Korrespondenz gefragt: „Wie sehen Sie heute, in einigem Abstand zum Konzil und zur unmittelbaren Nachkonzilszeit, in der Rahnerische Theologie sich über Deutschland hinaus zweifellos am breitesten durchgesetzt hat, Wirkungen und Rückwirkungen in Deutschland und in der Gesamtkirche?"
Karl Rahner antwortete darauf: „Darüber muss ich das Urteil im wesentlichen anderen überlassen. Selbstverständlich inauguriert man gewisse Dinge, aber ihre Fernwirkungen sind eben jeweils nicht vorauszusehen. Die einen werden sagen, ich habe etwas Kolossales inauguriert, und sie werden das positiv beurteilen. Andere werden sagen, ich habe Dinge angestoßen, die zur Verwirrung, zum Durcheinander oder auch nur zum Pluralismus in der Kirche geführt haben. Ob die einen oder die anderen recht haben, ist nochmals eine andere Frage. Wie andere habe ich Dinge gesagt, vertreten und propagiert, die ich für richtig halte und die es hoffentlich im großen und ganzen auch waren und sind. Aber es ist eben das Merkwürdige, dass man die Fernwirkungen weder absehen konnte noch absehen wollte und sie zum Teil natürlich auch nicht wünschte."
Mein Blog ist keine wissenschaftliche Arbeit, und so ziehe ich keine der sehr zahlreichen wissenschaftlichen Studien zu Karl Rahner und Albert Camus heran. So werde ich auch nicht darauf eingehen, inwieweit Plotin, Augustinus, Nietzsche, Dostojewski oder andere einen Einfluss, der unweigerlich erkennbar ist, auf Albert Camus ausgeübt haben. Und was den vielmals erwähnten Einfluss Martin Heideggers auf Karl Rahner betrifft, hat Rahner selbst geanwortet: „Manche Leute, die über meine Theologie reden, übertreiben oft den Einfluss von Heidegger. Es ist schon insofern eine Übertreibung, als Heidegger keine Theologie dozierte und ich eigentlich ausgesprochener Theologe und nicht >Philosoph< bin. Aber in einem gewissen Sinn kann man durchaus von einem Einfluss Heideggers auf mich sprechen. Dieser Einfluss betraf eine bestimmte Weise des Denkens. Es ging weniger um eine Inhaltlichkeit als vielmehr darum, bestimmte Positionen zu hinterfragen.”
Albert Camus' Namen habe ich einmal von Karl Rahner zitiert gefunden und zwar in dem ersten von zwei Teilen seiner Schrift Was heißt Jesus lieben? Dieser erste Teil erschien 1981 in der Wiener Monatsschrift Entschluss, einer Zeitschrift für Praxis und Theologie. Doch macht der zitierte Satz nur deutlich, dass sich Karl Rahner nicht wirklich mit Albert Camus' Philosophie auseinandergesetzt hat. Ich zitiere in meinem Blogkapitel Jesus Christus diesen Satz. Und Albert Camus kannte Karl Rahners Theologie nicht. Zumindest habe ich keine Anhaltspunkte dafür gefunden, die zeigen, dass es anders gewesen wäre.
Und dabei hätten sich der Schriftsteller und der Pater sehr viel zu sagen gehabt, wenn es zu einer Begegnung und zu Gesprächen zwischen ihnen gekommen wäre. Mit meinen Bloggesprächen versuche ich eine solche geistige Auseinandersetzung herzustellen und dabei ihre gemeinsamen und unterschiedlichen Auffassungen ausfindig und deutlich zu machen. Es sei darauf hingewiesen, dass Albert Camus das Christentum meint, wenn er über seine religiösen Gefühle schreibt. Albert Camus war ein mystischer Mensch auch wenn er nicht zu Gott fand.
Was bei den Gesprächen zwischen Albert Camus und Karl Rahner herausgekommen wäre, können wir nicht wissen, und daher vermeide ich in dieser Hinsicht jede Art von Spekulation.
Ich zitiere aus ihren Werken, Schriften, Aufsätzen, Aufzeichnungen, Briefen, Interviews usw.
Auch schätze ich die Aufrichtigkeit von Karl Rahner und Albert Camus und verehre sie deshalb nur noch mehr. Sie haben auch miteinander gemein, dass sie sich keinen Illusionen und Schönfärbereien hingaben, was das menschliche Dasein betriftt, das sie mit all seinen Widersprüchen sahen. Genauso lehnten sie jegliche innerweltliche Zukunftsutopie ab und blieben gegenüber der Geschichte skeptisch. Jedoch sind die grundsätzlichen Entscheidungen, die sie daraus für ihr Leben trafen, verschieden.
Albert Camus schreibt zu dem Leben des Menschen: „Aber wieder ist es das Absurde und sein widerspruchvolles Leben, das uns belehrt. Der Irrtum besteht nämlich in der Meinung, die Menge der Erfahrung hinge von unseren Lebensumständen ab, während sie doch nur von uns selbst abhängt. Wir müssen hier vereinfachen. Zwei Menschen, die die gleiche Anzahl von Jahren leben, liefert die Welt stets auch die gleiche Menge von Erfahrungen. Wir müssen uns ihrer nur bewusst werden. Sein Leben, seine Auflehnung und seine Freiheit so stark wie möglich empfinden, das heißt: so intensiv wie möglich leben. Wo Klarheit regiert, wird die Werteskala nutzlos.”
Und Karl Rahner schreibt:„Wir können sagen: es ist dir immer dein ganzes Leben aufbewahrt; es sammelt sich alles, was du tatest und erlittest, in deinem Wesen an. Du magst es vergessen haben, es ist doch da. Es mag dir selbst wie ein blasser Traum vorkommen, wenn du dich erinnerst, was du einmal warst, tatest, dachtest. Du bist all das immer noch. All das ist vielleicht, ja hoffentlich, verwandelt, eingefügt in einen besseren, umfassenderen Zusammenhang, integriert mehr und mehr in eine, in die große Liebe und stille Treue zu deinem Gott, die war, blieb und wuchs durch alles, was das Leben mit dir tat; aber alles ist so geblieben, nichts ist einfach vergangen, alles, was geschah, ist noch - solange wir die Pilger der zeitigenden Freiheit sind - einhol- und verwandelbar in die eine Tat des Herzens, die du heute tust.”

Jedem Kapitel stelle ich eine kurze Einführung voran, in der fiktive Personen namens Orélie, Jurik und Marwin das Gespräch beginnen. Dann entwickle ich anhand dieser Personen ein Gespräch, in dem Albert Camus und Karl Rahner durch Zitate zu Wort kommen. Ihre gemeinsamen und ihre unterschiedlichen Auffassungen vom Leid, der Geschichte, der Freiheit, des Todes, des Glaubens, des Atheismus usw. kommen dabei deutlich zum Ausdruck. So will ich auch in meiner Einleitung nochmals jeweils eine ihrer Aussagen wiedergeben.
Albert Camus schreibt zu der jedem Menschen gegebenen Zeit: „Etwas in mir sagt mir, überzeugt mich davon, dass ich mich nicht von meiner Zeit lossagen kann, ohne feige zu sein, ohne in meine Versklavung einzuwilligen, ohne meine Mutter und meine Wahrheit zu verleugnen.“
Und Karl Rahner schreibt zu dem Glauben: „Wie zweitrangig ist aller theologische Scharfsinn vor jenen Fragen und im Vergleich mit jenen Kräften des Geistes und Herzens, denen gegenüber und mit denen die letzten Glaubensfragen entschieden werden. Seien wir doch, was wir sind: Suchende, Fragende, Angefochtene, mit Bitterkeit Erfüllte, Betende: „Herr ich glaube, hilf meinem Unglauben!“

Ich würde mich freuen, wenn die zahlreichen von mir in Gesprächen zusammengefügten Zitate bei Ihnen Anklang fänden.


Ich möchte Sie auch auf meinen Roman „Ein Leben unter anderen” aufmerkasam machen, der von der Kindheit Marwins, seinen Freundinnen Orélie und Bianca, seinem angespannten Verhältnis zu seiner Mutter und seiner Schwester Mona sowie Jurik, der das Leben leicht zu nehmen scheint, handelt. Ich würde mich freuen, wenn Sie für die Geschichte von diesen in den 50er Jahren in Westdeutschland aufgewachsenen Personen Interesse zeigen und meinen Roman, den ich in einem Blogkapitel vorstelle, kaufen würden.

Seit Sonntag, den 11. September 2011 habe ich auf meinem Blog einen Zähler (Web Counter-Modul) eingerichtet, der sich unterhalb der Links befindet. Als ich den Blogzähler einrichtete, achtete ich nicht auf den Tag und so wurde mir erst im nachhinein bewusst, dass es der Tag der Terroranschläge auf das World Trade Center war. Und so gedenke ich der fast dreitausend Opfer.
Ich gestehe auch, dass ich keine Entschuldigung dafür besitze, den Zähler nicht bei meinem ersten Blogeintrag hinzugefügt zu haben, denn nun können wir keine Kenntnis mehr darüber erhalten, wie viele Personen von Anfang an mein Blog besucht haben. Jeder Leser und jede Leserin wird nur einmal statistisch erfasst, und auch ich bin einmal gezählt worden. Wie häufig jemand mein Blog aufsucht, kann ich nicht feststellen. Doch hoffe ich, dass Sie immer wieder gern in ihm lesen. Mit erfreulicher und gleichzeitig erstaunlicher Regelmäßigkeit fand es jede Woche neue Leserinnen und Leser, und ihre Zahl ist in den ersten sechs Monaten auf 1287 Personen angewachsen.
Am Samstag, den 4. Februar 2012 habe ich den 1000sten Besucher meines Blogs zählen können. Heute, am 2. Juni 2012, noch nicht einmal ein dreiviertel Jahr nach dem Einrichten des Counters, konnte ich den 2000sten Besucher meines Blogs zählen. Das ist eine große Freude für mich, da ich feststellen kann, dass Karl Rahner und Albert Camus auch in unserer Zeit Anklang finden. Ich danke allen meinen Leserinnen und Lesern, und wir können unser Glas zu Ehren der beiden erheben. Noch dazu war ich heute als freiwillige Helferin bei dem Salon des Solidarités in Paris, der drei Tage lang an der Porte de Versailles stattfindet. Ich war für die Organisation Partage tätig, die sich für auf dieser Welt benachteiligte Kinder einsetzt, um ihnen eine Chance in ihrem Leben zu geben. Auch ich bin Patin eines Mädchens in Indien (Kerala), das von der Vijayapuram Social Service Society unterstützt wird. Die VSSS betreut Kinder aus 70 Dörfern.
Am 13. September 2012 kam der 3000ste Besucher meines Blogs hinzu, was mich sehr freute, noch dazu ich keinerlei Möglichkeit habe, Werbung für es zu machen.
Am 14. Dezember 2012 konnte ich meinen 4000sten Besucher begrüßen.
Seit dem 12. August 2012 bin ich Mitglied des Vereins der Freunde und Förderer der Karl Rahner Akademie, der ein unabhängiger Verein ist und sich selbst finanziert. Die Karl Rahner Akademie bekennt sich zu einem offenen Katholizismus, wie ihn auch Karl Rahner vertrat. Ihr Sitz ist in Köln in der Jabachstraße, die nicht weit vom Alten Markt entfernt ist, und von diesem haben Sie nur ein paar Schritte bis zum Rhein und auch der Dom ist in der Nähe. Die Karl Rahner Akademie bietet jedes Jahr von September bis Anfang Juli ein vielseitiges Programm an. Sie können bei Diskussionsreihen, Theaterveranstaltungen, Opernaufführungen, Filmen, Museumsbesuchen und noch einigem mehr teilnehmen. Das Programm können Sie auf der Internetseite der Akademie finden. Die Diskussionsreihen oder Diskussionsabende behandeln Themen aus der Theologie, der Politik, den Naturwissenschaften, der Medizin, der Kunst, der Musik, der Literatur usw. Der Ort der Veranstaltungen ist die Karl Rahner Akademie in der Jabachstraße 4-8, wo Sie sich bald wohlfühlen werden. Auch wenn Sie einen Theaterbesuch wählen, werden Sie, bevor die Vorstellung im Theater beginnt, in der Karl Rahner Akademie von einem Dozenten in die Vorführung eingeführt. Falls die Veranstaltung ausnahmsweise nicht in der Jabachstraße stattfindet, ist das selbstverständlich im Programmheft angegeben. So eine Ausnahme gab es im Juli, da Anselm Grün in die Karl Rahner Akademie kam und seine Meditation in der Kirche St Peter hielt. Ich war auch anwesend, und es war sehr ergreifend, als Anselm Grün mit seiner Benediktiner Kutte bekleidet zu uns sprach und uns den Abendsegen gab.
In diesem Jahr 2013, für das ich Ihnen alles Gute wünsche, beginne ich eine Webseite über berühmte Personen. Allerdings habe ich bisher erst Zitate von Albert Camus und Franz Kafka auf meinen Site gestellt. Das wird sich sehr bald ändern, denn Karl Rahner wird hinzukommen.
Heute am 15. März 2013 konnte ich mit Freude feststellen, dass über fünftausend Personen mein Blog besucht haben.
Vor zwei Tagen hat sich der neue Papst den Namen Franziskus gegeben, wobei mir Verse aus Rainer Maria Rilkes Stundenbuch in den Sinn kamen, die Franz von Assisi gewidmet sind. Ich dachte an folgende Verse: Denn er war keiner von den immer Müdern, die freudeloser werden nach und nach, mit kleinen Blumen wie mit kleinen Brüdern ging er den Wiesenrand entlang und sprach. Und sprach von sich und wie er sich verwende so dass es allem eine Freude sei; und seines hellen Herzens war kein Ende, und kein Geringes ging daran vorbei. Er kam aus Licht zu immer tieferm Lichte, und seine Zelle stand in Heiterkeit. Das Lächeln wuchs auf seinem Angesichte und hatte seine Kindheit und Geschichte und wurde reif wie eine Mädchenzeit.

Am Sonntag, den 7. Juli 2013 konnte ich voller Freude meinen 6000 sten Leser oder Leserin meines Blogs zählen. In den Zeitungen las ich, dass Papst Johannes Paul II. nach dem Wunsch von Papst Franziskus noch dieses Jahr heiliggesprochen werden soll. Ich las ebenfalls ein in der Weltwoche veröffentlichtes Interview , in dem Karl Rahner vor einer der anstehenden Papstwahlen im Jahr 1978 sagte: Ich würde mir einen Papst wünschen, der die letzte Substanz der christlichen Botschaft von Gott als der unaufhebbaren Besiegelung der Selbstzusage Gottes an die Welt und in ihrer Geschichte werbender, rasanter, glühender, leuchtender verkündigen würde.
Ich würde mit wünschen, dass der kommende Papst nicht nur über die Orthodoxie dieser Lehre ängstlich, abwehrend wacht, sondern für seinen Teil - mehr kann man nicht verlangen - auch versucht, in der Lebendigmachung ihrer Verkündigung bis zu einem gewissen Grad vorbildlich voranzugehen.
Die bisherige Glaubenskongregation, das frühere Heilige Offizium, ist doch in gewisser Weise eine bürokratische Behörde, die es nicht wirklich fertigbringt, die Glaubenssubstanz, die sie verteidigen muss, überzeugend zu verkünden. Sie repetiert nur, schärft nur ein, wehrt nur ab, ist aus der Verholztheit der Neuscholastik der Pianischen Epoche noch nicht herausgekommen.

Heute ist der 1.Januar 2015 und ich wünsche meinen Leserinnen und Leser ein gutes neues Jahr. Ich konnte feststellen, dass mittlerweile 10.005 Personen mein Blog besucht haben. Ich selbst beteiligte mich an diesem Neujahrstag in Paris an dem Friedensmarsch, zu dem die Gemeinschaft Sant Egidio eingeladen hat. Wir gingen von der Fontaine des Innocents bis zur Kathedrale Notre Dame.

Ihre Dr. Christa Duris


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